Somatic Experiencing

Wie arbeitet Somatic Experiencing mit Traumata?

Somatic Experiencing (SE)® arbeitet vor allem mit der körperlichen Reaktion auf traumatische Ereignisse. Es wendet sich dabei an das für Trauma zuständige autonome Nervensystem, das nicht dem bewussten Willen unterworfen ist. Es kann nur eingeladen werden – durch wertfreie Aufmerksamkeit.

Elemente im Bewältigungsprozess
Im Mittelpunkt der Arbeit von SE mit Traumata steht das Nach- und Aufspüren (tracking) von Körperempfindungen und -impulsen, Emotionen, inneren Bildern, Gedanken und Überzeugungen. Weitere wesentliche Elemente im Bewältigungsprozess sind die Aktivierung von Ressourcen, Pendeln zwischen Traumaspuren im Körper und Ressourcen, Zentrierung und Erdung, Aufgreifen von Körperimpulsen und Titration, also kleinschrittiges Vorgehen.

Entscheidend ist, dass das Nervensystem eingefrorene Energie in kleinen Dosen „auftauen“ und schrittweise entladen kann. Durch diese kontrollierte Entladung wird eine mögliche Retraumatisierung, also ein erneutes Überwältigt werden, vermieden. Die tief verankerten Nachwirkungen des Traumas im Körper können sich schonend auflösen. Trauma bedingte Erstarrung wandelt sich in ein Gefühl von Handlungsfähigkeit, von Ich kann nicht zu Ich kann.

Das Trauma wird neu verhandelt
Mit Somatic Experiencing (SE)® wird das Trauma körperlich, geistig und emotional neu verhandelt. Dabei verändert sich nach und nach das Körpergefühl hin zu mehr Sicherheit und Präsenz. Diese natürliche Wachsamkeit im Körper wirkt sich positiv auf Gedanken, Gefühle, Emotionen und Überzeugungen aus.

Ein Trauma ist verarbeitet und integriert, wenn man daran denken und darüber sprechen kann, ohne dass das Nervensystem in Stress gerät. Es wird zu einer Erfahrung, die nicht länger das Leben bestimmt.

Wie entstehen Traumasymptome?

In stark belastenden Situationen wie z.B. bei Unfällen, Operationen oder Mobbing entstehen Gefühle von Hilflosigkeit, Ausgeliefert sein oder Entsetzten. Diese Empfindungen nisten sich zunächst unbemerkt im Körper ein und können erst Jahre später als psychosomatische Symptome spürbar werden.

Dazu gehören:
Angstzustände, Depressionen, Traurigkeit, Appetitlosigkeit, Übererregbarkeit, Schlaflosigkeit, Verspannungen im Schulter/Nacken Bereich, diffuse Schmerzzustände, aber auch Magen/Darm Probleme, Migräne, Kopfschmerzen...

Literaturhinweise:

  • Levine, Peter A.: Sprache ohne Worte: Wie unser Körper Trauma verarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt, Kösel 2011
  • Levine, Peter A.: Vom Trauma befreien, Kösel 2007
  • Laurence Heller: Entwicklungstrauma heilen, Kösel 2013
  • Isa Grüber: Was der Körper zu sagen hat, suedwest, 2014

Mehr Informationen:
https://www.somatic-experiencing.de

Zitat:
»Trauma Symptome werden nicht durch das äußere Ereignis verursacht. Sie entstehen, wenn berschüssige Energie nach dem traumatischen Erlebnis nicht aus dem Körper entladen wird. Diese Energie bleibt im Nervensystem gebunden und kann auf Körper und Geist verheerende Auswirkungen haben.«
- Peter A. Levine -