Byron Katie „The Work“

An einem heißen Sommertag im Juli 2016 war die Stadthalle in Köln-Mülheim fast komplett ausgebucht:
Byron Katie is here - live on stage!byron-katie

Pünktlich um 18h kam sie auf die Bühne und hielt sich nicht mit langen Vorreden auf. Mit Hilfe eines Arbeitsblattes, das beim Einlass ausgehändigt wurde, konnte jeder Teilnehmer direkt in seinen Prozess einzusteigen. Die auf dem ausgefüllten Arbeitsblatt eingetragenen Gefühle, Gedanken, Urteile wurde dann mit Hilfe einer Abfolge von 4 Fragen erforscht:

1. Ist das wahr?
2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
3. Wie reagierst du (was passiert in dir), wenn du diesen Gedanken glaubst?
4. Wer wärst du ohne den Gedanken?

Dadurch wird ein Selbsterforschungsprozess (Inquiry) eingeleitet. Dabei sind keine psychologischen Kenntnisse wie Projektion, Übertragung, Introjektion, Verdrängung, Widerstand, Über-Ich etc. notwendig.

Der Prozess -  auch "The Work" genannt -  ist einfach und wirkungsvoll und kann alleine oder mit einer Begleitperson (Faciliator) gemacht werden. Byron Katie lädt eine jungen Mann ein, der vor kurzem von seiner Freundin verlassen wurde, zu ihr auf die Bühne zu kommen. Nun wird das Fragegerüst mit Leben gefüllt. Jeder kennt das Gefühl verlassen zu werden - Gefühle von Einsamkeit, Wut, Verzweiflung können entstehen.

Durch "The Work" und die Brillianz und Empathie von Byron Katie bekommt der Prozess sehr schnell einen Tiefgang. Der Erkenntnisprozess wird gefördert, indem sie klare Sätze formuliert: "Frauen sind nicht dein Problem. Was du denkst und fühlst verursacht das Leiden."

Der Kernpunkt von "The Work" ist: Die Identifikation mit Gedanken, Vorstellung und inneren Bildern zu erkennen. Gedanken und Bilder werden vom Geist (Mind) kreiert und wenn wir daran glauben, werden damit verbundene Gefühle erzeugt. Durch "The Work" gelingt es, aus dem Film, der im eigenen Hirn produziert wird, auszusteigen und zu erkennen, dass das nicht die Wirklichkeit ist. Das ist auch die Erkenntnis von zahlreichen Mystikern und Erleuchten aus vielen Traditionen: Die sogenannte Wirklichkeit ist eine Illusion.

"The Work" verbindet konkrete Alltagserfahrungen mit tiefen Lebensweisheiten. Für Byron Katie ist "The Work" eine Meditation. Durch die Arbeit können ungelösten Themen  und vermeintliche Probleme aufgelöst werden. Gedankenmuster und damit verbundene Gefühle wie Wut, Vorwürfe, Aggression etc. gegenüber Arbeitgebern, Eltern, ehemaligen oder aktuelle Partnern oder Freunden wird durch "The Work" in Dankbarkeit umgewandelt. Erst dann können wir zu uns selbst kommen und sind nicht mehr in unseren Gedanken und unserer Vergangenheit gefangen. Ein Aufwachen in das "Hier und Jetzt" ist dann möglich.

"The Work" ist kein starres Gerüst von Fragen. Byron Katie arbeitet auch mit Körperwahrnehmungen (Wo fühlst du die Wut?). Immer wieder bezieht sie "Stillness" ein, als Qualität und Ressource, damit sich der Erkenntnisprozess auch ohne Worte weiterentfalten kann.

Ähnlich wie bei Gesprächstherapie nach Carl Rogers gilt auch für "The Work":
Je einfacher die Methode, desto mehr müssen Begleiter/Therapeuten in der Lage zu sein, durch Präsenz, Empathie und Erfahrung, den Entfaltungsprozess zu begleiten.

Die dreistündige Veranstaltung in der schwülheißen Stadthalle war kurzweilig, lehrreich und inspirierend. Wer die Methode (tiefer) kennenlernen möchte, findet im Internet sehr gute Ressourcen  - das Buch "Lieben was ist" ist ein perfekter Einstieg.

The Work.com

Download Arbeitsblätter

"Lieben was ist" - Eine Einführung